zu tabuisieren: Rumpelstilzchen streichelt das Gesicht der Prinzessin, in der Zeichnung aber löscht sie die Regeln des Märchens, sie zeigt Sex und Tod in aller Grausamkeit. In vielen anderen ähnlichen Zeichnungen von 1999 zeichnet Sterry den dunklen Urgrund der Existenz, den Tod. Die Zeichnungen kommen aus einer Verteidigungszone, aus einer Flucht, aus einer Abwehr, die etwas zu bannen versucht, dessen Name zwar klar ist, aber nicht ausgesprochen werden darf. Sterrys Kunst bleibt also selbst in der grammatikalischen und narrativen Struktur des Märchens verhaftet. Ihre Kunst ist selbst Märchenkunst, nur grausamer. Die ästhetischen Erfahrungen, wie sie von Artauds Theater der Grausamkeit, über die Art brut bis zur zustandsgebundenen Kunst seit Jahrzehnten eine Landkarte des menschlichen Leidens ausbreiten, die kein Zuhause verzeichnet, sondern einen ständigen Zustand der Instabilität und Entwurzelung, einen Schwebezustand, diesen ästhetischen Erfahrungen bilden auch den Horizont der ästhetischen Obsessionen von Petra Sterry.

1 Vladimir Propp, Morphologie des Märchens (1928), Suhrkamp, Frankfurt/Main 1975.
2 Peter Handke, Kaspar, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1970; Das Spiel vom Fragen, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1989.

<<

>>