Katrin Bucher Trantow

Das elastische Ich

„Elastisch-Sein“ bedeutet unter Spannung nachzugeben, biegsam zu sein. Zurückzuschnellen und vor allem unter Druck nicht zu brechen. Bei Materialien, wie auch bei Menschen auf die man sich verlassen muss, wünscht man sich Eigenschaften, die Stabilität mit Elastizität verbinden; die eine hohe Form der Elastizität und Anpassungsfähigkeit und dennoch eigene Stärke mit sich bringen, um ein Höchstmaß von Überlebensfähigkeit zu garantieren.

In der Ausstellung Das elastische Ich der Künstlerin Petra Sterry in der Galerie Rondell in Schwanberg im Frühjahr 2019 versammeln sich Arbeiten aus den letzten 3-4 Jahren. Zum Teil von ihrer, zum Teil von fremder Hand gemacht. So sind da einerseits ihre großformatigen Textarbeiten mit dem Titel Triggerwarnungen, die unter symbolhaften Sternen vier untereinander gereihte Begriffe versammeln. Aus Wortsäulen wie Hass, Streit, Zweifel, Ärger oder Liebe, Neugier, Freude, Lust formulieren sich Kurzgedichte, Gefühlsinseln und in sich steigernde Wort-Ermahnungen. Als kalligrafische Wortbilder und Sammlungen von assoziativ zusammengehörenden Wortfamilien evozieren sie widersprüchliche Wahrnehmungsebenen und Stimmungen. Sterry arbeitet in einer zweideutigen Poesie. Sowohl im Schriftbild, wie auch im inhaltlichen Verweis deuten die Arbeiten auf etwas dahinter Verborgenes und Verdrängtes. Durch minimalste Verschiebung legt sie bloß, welche Echos in der Tiefe der visuellen und linguistischen Erfahrung möglich sind. Widersprüche fungieren dabei mitunter als Auslöser, die Mehrdeutigkeiten zulassen. Gerade ihre Undefiniertheit macht sie unheimlich. Schon der Titel der Reihe liest sich als unterschwellige Drohung und verweist auf eine aktuelle Debatte über die Frage des „Unsagbaren“. Der Begriff des „Triggerns“, also Menschen vor möglichen emotionalen Auslösern zu warnen, kommt aus der Psychologie, aus dem Bereich der Verhaltensforschung posttraumatischer Störungen. Eine Trigger-Warnung nennt man eine Anmerkung, die einem Textstück, Video oder Ähnlichem vorausgeht und, so nimmt man an, als Schutzmaßnahme in Internet-Selbsthilfeforen für Vergewaltigungsopfer geboren wurde.  >> 

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