Jens Burk

Das Leben ist ein Widerfahrnis

Petra Sterry im Gespräch mit Jens Burk, Referent für Skulptur und Malerei 1550 – 1800 am Bayerischen Nationalmuseum, München

Jens Burk (JB): Frau Sterry, Ihre Intervention „Die sich fügende Ordnung“, die von April bis Juni 2019 im Bayerischen Nationalmuseum stattfindet1, dreht sich um den Kopf von Franz Xaver Messerschmidt, ein Kunstwerk der älteren Kunst, aus dem 18. Jhdt. Wie war denn Ihr ursprünglicher Bezug zu dieser Thematik, und wie sind Sie auf Franz Xaver Messerschmidt gekommen.

Petra Sterry (PS): Ich habe mich schon länger mit inneren Zuständen und Emotionen befasst. Eigentlich bin ich schon sehr früh, noch während des Studiums auf Messerschmidt gestoßen. Ich muss dazu sagen, zu Beginn haben mich die Titel sehr gestört, zum Teil gingen sie für mich mit den Köpfen nicht zusammen, und dadurch habe ich Messerschmidt ein wenig ad acta gelegt. Im Zuge der nochmaligen Auseinandersetzung hat sich dann aufgeklärt, dass die Titel gar nicht von ihm stammen, und so habe ich eine neue Sichtweise auf die Köpfe bekommen.

JB: Die Titel sind erst später, nach seinem Tod, mit seinen Köpfen in Verbindung gebracht worden, die man heute „Charakterköpfe“ nennt, aber man führt ja diesen Begriff in Anführungszeichen, weil ja selbst dieser Begriff nicht von Franz Xaver Messerschmidt stammt.

PS: Ja, ganz genau. Ich glaube auch, dass das sehr zur Verwirrung beigetragen hat, und es ist nicht nur das. Die Titel sind erst etwa 30 Jahre nach seinem Tod entstanden. Die Leute wurden eingeladen Titel für die Köpfe einzusenden. Ich finde aber, einen Titel eigenmächtig hinzuzufügen, ist problematisch. Es ist ein Eingriff in das Werk des Künstlers. Das ist, wie wenn jemand am Werk eines Anderen etwas ändert – etwas übermalt oder korrigiert.  >>

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