Es ist die Domäne von Petra Sterrys Bildwelten. An den Anfang des Klassikers zum Thema, des 1919 erschienenen Aufsatzes „Das Unheimliche“ setzt Sigmund Freud ein langes Zitat aus dem Wörterbuch. „Am interessantesten“ sei, so Freuds Resümee, „dass das Wörtchen heimlich unter den mehrfachen Nuancen seiner Bedeutung auch eine zeigt, in der es mit seinem Gegensatz unheimlich zusammenfällt“. Dieser Synonymität widmet er die folgenden Ausführungen, und Petra Sterry scheint diese Ausführungen sehr genau zu kennen. Vom Traulichen zum Grauslichen ist es nur ein kleiner Schritt. Der Terror liegt auf dem Trottoir, und je beflissener man sich abschottet in seine kleine Welt hinein, um so strammer stehen die Dämonen bei Fuß.
Das Unheimliche hat Konjunktur bekommen in den letzten eineinhalb Jahrzehnten. The Archi-tectural Uncanny war Anthony Vidlers 1992 publiziertes Werk über das „Unbehagen in der modernen Architektur“ überschrieben, das seinerseits jenen Zusammenhang dingfest machte, wie ihn die deutsche Übersetzung dann als Titel hatte: unHEIMlich. Mike Kelley organisierte dann im Jahr 2004 eine Ausstellungstournee zum Thema „The Uncanny“ und machte den Spagat vom Heimeligen zum Unheimlichen gewissermaßen bühnentauglich. Doch war das eher eine späte Blüte. Mit Petra Sterrys unnachahmlich austriakischen Anglizismen ließe sich längst sagen: An kenn i.

2. Our Nature Is a Dress Code of the Nada

Das Blatt 69 von Francisco Goyas Desastres de la guerra hat das Motto „Nada. Ello dirá”, „Nichts. Es wird sich zeigen“. Diese für die Folge seiner Kriegsdarstellungen ungewöhnliche, weil die Nachvollziehbarkeit des Sichtbaren hinter sich lassende Darstellung zeigt eine bereits mumifizierte Leiche, die in einer Art posthumer Kraftanstrengung auf die Sinnlosigkeit - des Daseins, des Krieges, der eigenen Existenz - hinweist, indem sie zum Schreibstift gegriffen hat. So kritzelt die lebende Leiche also ein einsames, sehr leserliches und mit Großbuchstaben beginnendes „Nada“ auf die Platte, die an seine Hüfte gelehnt ist. Das Nichts, es steht buchstäblich geschrieben. Die leere, nackte Evidenz, dass alles ist, wie es ist, bringt Goya hier ins Spiel, das pure Sic, zu dem es nichts gibt, was es überstiege. Nichts, außer dem Unheimlichen. Es lebt ausschließlich vom Verdacht, aber es lebt. Ein Skelett, wie Goya es aus der Tradition des Totentanzes >>

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